Meine 4 Schritte zum guten Umgang mit der Wut

Klick vergrössert Bild

Im VHS-Aufbaukurs „Selbstbewusstsein trainieren“ bearbeiteten wir am vergangenen Samstag die Fragen „Wie gehe ich um mit meiner Wut?“ und „Kann ich überhaupt gut mit Wut umgehen und wenn ja, wie geht das?“

An dieser Stelle bedanke ich mich herzlich bei meinen Kursteilnehmer/innen für ihre persönlichen Fragen und das große Vertrauen.

Hier sind nun meine vier Schritte, die mir persönlich im Umgang mit meiner Wut sehr hilfreich sind:

  1. Wut ist gut.
  2. Wut tut gut.
  3. Wut kommt nicht allein.
  4. Wut braucht Aktion.

1. Wut ist gut

– Ja, ich kann wütend sein. Der Alltag um mich herum läuft nicht immer so, wie ich es mir vorstelle. Dann ist es gut, wenn ich wütend werden kann. Auf mich selbst, auf eine andere Person oder auf eine bestimmte Situation. Ich freue mich, dass ich dieses Gefühl im Repertoire habe, so, wie ich auch Freude, Angst, Hoffnung, Zuneigung und vieles mehr empfinden kann.

– Ja, ich darf wütend sein. Ich lasse das Gefühl zu und erlaube mir die Wut. In der Konsequenz heißt das für mich: Ich bekämpfe die Wut nicht, unterdrücke sie nicht auf Dauer, ignoriere sie nicht und verbiete sie mir nicht. Ich nehme dieses Gefühl an als einen wichtigen Teil von mir.

2. Wut tut gut

– Sie ist ein deutliches Signal. Wütend zu sein ist erst einmal nicht besonders angenehm für mich. Ich fühle mich nicht wohl, es geht mir nicht gut. Ich spüre es körperlich, dass die Wut etwas mit mir macht. Doch so, wie körperliches Unwohlsein oder Schmerzen darauf hindeuten, dass etwas nicht stimmt, so ist meine Wut ein wichtiges Signal: Achtung, hier läuft etwas schief! Sei es, dass gerade ein wichtiges Bedürfnis verletzt wird oder etwas gegen einen Wert läuft, der mir sehr oder gar lebenswichtig ist.

– Sie hat Kraft. Anders als Niedergeschlagenheit, Trauer oder Depression bringt Wut kraftvolle Energie mit. Das ermöglicht Aktion, Bewegung, Veränderung.

3. Wut kommt nicht allein

Das Sammelsurium der Gefühle. In meinem „Wutpaket“ oder „Wutcontainer“ kann auch das Gefühl von Ungerechtigkeit stecken, von Ohnmacht oder Hilflosigkeit, von Traurigkeit, Einsamkeit oder Überforderung. Oder etwas ganz anderes.

Meine Gefühle sind eng mit vielen Faktoren verbunden, wie z.B. meinen Erfahrungen und  Erlebnissen (Gegenwart), Erinnerungen (Vergangenheit) und Erwartungen (Zukunft). Das erklärt auch, wieso wir manche Emotion so heftig erleben oder sie uns gar „aus der Bahn wirft“.

4. Wut braucht Aktion

  • Erste Aktion: Wahrnehmen, dass ich gerade wütend (geworden) bin: Aha.
  • Zweite Aktion: Anerkennen, dass ich wütend bin: Okay.
  • Dritte Aktion: TIEF (DURCH)ATMEN.
  • Evtl. raus aus der Situation. Auf die Toilette gehen geht immer.
  • Wutentbrannt, kochen vor Wut: „löschen“, kühlen. z.B. kaltes Wasser über den Puls, die Unterarme laufen lassen, lauwarm duschen, kalte Kompresse auf die Stirn oder in den Nacken, Fußbad, Vollbad mit beruhigenden Essenzen, etwas Kühles trinken oder essen. Frische Luft. Austoben.
  • Außer sich vor Wut: z.B. sich in eine Decke hüllen, eine Jacke fest um sich wickeln, in den Arm nehmen lassen, schnell bewegen
  • Beben vor Wut: z.B. bewegen, rennen, springen, zappeln, tanzen, in die Luft boxen, auf ein Kissen schlagen, austoben, körperlich anstrengen
  • Schreien, zetern, schimpfen wie ein Rohrspatz, laut singen, Musik aufdrehen
  • Meditation, Gebet, autogenes Training, Yoga, Qui Gong, Entspannung, ruhige Musik
  • Darüber reden
  • Dem Grund auf die Spur kommen
  • Wa-Wi-Wu-Technik einsetzen (Wahrnehmung, Wirkung, Wunsch)
  • Schreiben: Brief an mich selbst, Tagebuch, Brief oder E-Mail an den Wutauslöser schreiben und – nicht – abschicken
  • VHS-Kurs besuchen
  • Professionelle Unterstützung suchen (z.B. Beratung, Coaching, Therapie), wenn ich allein nicht „herausfinde“ aus meiner Wut
  • Meine persönliche Strategie ist, dass …

Dies sind meine vier Schritte und dazu viele Anregungen zum „guten Umgang“ mit Wut. Ich hoffe, diese Zusammenstellung ist hilfreich für Sie, vielleicht auch beim Umgang mit anderen „großen“ Gefühlen.

Sollten Sie eine Frage zum Thema haben, schreiben Sie mir gerne eine E-Mail oder rufen Sie mich an.

P.S.: Lesen Sie auch meine persönliche Anekdote „Mein Großvater, der Braten und die Wut„.

Bild von Fotolia: #56245925 | Clover picture | © nickylarson974

Über C. K.

Diplom-Sozialpädagogin (FH), Coach, Dozentin, Trainerin, Bloggerin, Ehefrau, Mutter von fünf Kindern, und seit 52 Jahren Aprilscherz ... Und Grübel - Karussell war gestern.
Dieser Beitrag wurde unter Coaching, Selbstcoaching, VHS Erlangen abgelegt und mit , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentare sind geschlossen.