Die Hollywood-Schaukel-Verschwörung

Klick vergrössert Bild

Tochter2 und Tochter4 hatten es eine Stunde vorher zum „Sperrgebiet“ für mich erklärt. Doch jetzt sollte ich genau dorthin kommen: in’s Wohnzimmer. Schnell.

Sommerliches

Letztes Jahr im Juli blätterte ich durch den JAKO-O Sommerprospekt. Ich sprach mit Tochter2 über die mehr oder weniger nützlichen Dinge, die man angeblich „für einen unbeschwerten Sommer“ braucht.

Plötzlich blieb mein Blick am Foto einer Hollywood-Schaukel hängen. „Wenn ich mal groß bin und viel Geld habe, kaufe ich mir so eine.“ lachte ich. „In meinen Kindertagen hatten unsere Nachbarn ein solches Teil. Mit leuchtend gelbem Bezug. Ich liebte es, darauf zu schaukeln. Doch das Vergnügen war meist nur kurz, weil sie furchtbr quietschte. Seit der Zeit steht sie ganz oben auf meiner heimlichen Wunschliste.“ – „Das wusste ich ja gar nicht.“ antwortete Tochter2. Ich blätterte weiter, wir redeten weiter, schließlich legte ich den Prospekt zum Altpapier. Und vergaß das Ganze.

Der neue Schrank

Ein halbes Jahr später teilte mir Tochter2 in entschiedenem Ton mit: „Mum, ich kaufe mir einen neuen Kleiderschrank. Der alte ist total verzogen, die Türen schließen nicht mehr richtig. Nicht, dass der noch umfällt.“ Ich fand ihre Beschreibung ein bißchen übertrieben, doch wenn sie meint … Sie ist alt genug und weiß sicher, was sie tut.

„Tochter2,“ erzählte ich meinem Kind wenige Wochen später, „heute ist dein Schrank gekommen. Papa hat ihn entgegengenommen. Wann baust du ihn denn auf? Die Garage ist ja nicht ganz trocken und kalt. Nicht, dass sich die Teile verziehen und er bald so aussieht wie dein alter.“ Ich grinste.

Ohne mit der Wimper zu zucken erklärte mir mein Kind wortreich, welchen Streß sie zurzeit hätte und dass Ab- und Aufbau der Schränke bis Ende März warten müssten. „Na gut,“ dachte ich bei mir, „es ist ihr Schrank und sie ist ja schon groß. Ich persönlich wäre ja neugierig und hätte zumindest mal kurz in den großen Karton gelinst, wegen der Farbe und der Machart … Ommm, sie ist alt genug.“ (Ich hoffe, Sie erkennen spätestens an dieser Stelle, mit welch unglaublicher Gelassenheit ich meine Kinder erwachsen werden lasse.)

Am Rande bemerkt: Natürlich war die Garage der ideale Ort als Zwischenlager, weil ich selten Auto oder Fahrrad fahre und dort demnach so gut wie nie zu tun habe. (Sicherheitshalber hatte W., wie ich später erfuhr, alle sichtbaren Etiketten abgemacht.)

Das Sperrgebiet

Am letzten Märztag bekam ich also das erwähnte Zutrittsverbot zum Wohnzimmer und durfte auch nicht sehen, welche Teile Tochter2 und 4 aus der Garage dorthin trugen. Also verzog ich mich. „Wieso darf ich die Schrankteile nicht sehen oder tragen helfen, und wieso bauen sie eigentlich den Schrank im Wohnzimmer auf?“ fragte ich mich. Allerdings nicht allzu lange. Sie wissen ja …

Kurz darauf telefonierte ich mit W. Wir sprachen über die Kinder. „Tochter2 und 4 bauen wohl gerade den Schrank im Wohnzimmer auf, oder? Tochter2 hat mir gesimst, dass ein Teil fehlt. Das ist ja wirklich ärgerlich.“ meinte er. „Ich darf nicht rein und höre sie nur ab und zu schimpfen. Welches Teil fehlt denn bei dem Schrank?“ fragte ich nach. „Naja, du weißt ja selbst, wenn man Möbel im Internet bestellt, dass das nicht immer klappt. Wie bei deinen Büromöbeln.“ Elegant wechselte er das Thema.

Kurze Zeit später dröhnten zweistimmig die markerschütternden Worte durch das Haus: „Muuuuuuuum, du musst unbedingt in’s Wohnzimmer kommen! Schnell! Jetzt!“ Ich stürmte, zwei Stufen auf einmal nehmend, Richtung Wohnzimmer. Bilder von abgesägten Daumen und von Schrankteilen erschlagenen Kindern jagten durch meinen Kopf.

Das Ende der Verschwörung

Doch die Beiden standen im Türrahmen, völlig unversehrt. Sie strahlten mich an, drehten sich langsam um und zeigten stolz auf etwas Großes. Ich war sprachlos. Restlos. Da stand tatsächlich … eine Hollywood-Schaukel. Mitten im Zimmer. „Tataaa, das ist jetzt deine. Wir schenken sie dir alle gemeinsam zum Geburtstag. Nur die Polster fehlen noch, die haben sie nicht mitgeliefert. Dafür haben wir sie schon mal mit Kissen für dich ausgelegt. Bitte schön!“ Ich nahm Platz und schaukelte ungläubig. Was für eine großartige Überraschung!

So also kam es, dass ich im Dauermodus „selig lächeln“ in mein neues Lebensjahr schaukelte, ohne davor auch nur das Geringste geahnt zu haben. Ein riesengroßes DANKE an euch, meine Lieben, für dieses wunderbare, tolle, stabile, bequeme, himmlische Geschenk, und „Chapeau!“, dass ihr über so viele Monate dicht gehalten und mich so erfolgreich hinter’s Licht geführt habt. Ich freue mich wahnsinnig.

P.S.: Inzwischen steht die Hollywood-Schaukel, weich gepolstert, auf der Terrasse. Es sitzt, liegt und schaukelt sich grandios. Ohne Quietschen 🙂 .

P.P.S.: Ein besonderer Spaß war es, rückblickend die Puzzleteile der „Verschwörung“ aufzuklären und zusammenzubauen, wie zum Beispiel das exakte Timing der Lieferung.

Bildnachweis: #81977003 | © Smileus – Fotolia.com

Über C. K.

Diplom-Sozialpädagogin (FH), Coach, Dozentin, Trainerin, Bloggerin, Ehefrau, Mutter von fünf Kindern, und seit 52 Jahren Aprilscherz ... Und Grübel - Karussell war gestern.
Dieser Beitrag wurde unter Einkaufstipps der besonderen Art, Familie abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentare sind geschlossen.