Der 38. Coaching – Tipp am Donnerstag: Das Selbstverhör

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„Komm, wir gehen wählen“ sagte W. letzten Sonntag zu mir. „Ich komme gleich,“ antwortete ich ihm, „ich hole nur noch schnell meinen Ausweis.“ Der ist wie immer in der Geldbörse. Da bin ich mir sicher. Und die wiederum ist, da bin ich mir sogar sehr sicher, in der Sporttasche, die ich am Freitag in Gebrauch hatte. Also nur noch ein kurzer Griff in die Tasche und wir können los. Doch ich griff ins … Nichts. Nur die Sportsachen waren da. Leider keine Geldbörse, und damit auch kein Ausweis.

Ich war erst einmal verdutzt, räumte die Tasche Stück für Stück aus, drehte sie auf links … nichts. Die Geldbörse blieb verschwunden. Ich war ratlos, dann fassungslos, schließlich verzweifelt.

Meine Familie versuchte mich nach Kräften zu unterstützen, suchte in Jacken, Schubladen und Taschen, stellte Fragen. Doch die Börse tauchte nicht auf. Ich schickte W. und die zwei  Großen wählen.

„Was jetzt alles weg ist!“ schoß es mir durch den Kopf. „Das ist die absolute Katastrophe!“ Doch wie konnte das sein? Sollte Jemand in der kurzen Zeit, in der ich die Tasche unbeaufsichtigt in der Umkleide gelassen hatte, die Börse genommen haben? Unvorstellbar, und doch … Das Grübel – Karussel lief auf Hochtouren, der Gefühlsstrudel verschluckte mich zusehends. –

Höchste Zeit für den Einsatz meines heutigen Coaching – Tipps:

In solchen Momenten, in denen die Wogen so über mir zusammenschlagen, stelle ich mir immer die Frage: „Wenn jetzt Jemand zu dir käme und dir diese Geschichte erzählen würde, was würdest du zu der Person sagen? Was würdest du ihr raten?“

Ich riet mir: erst einmal raus aus dem Zimmer, tief durchatmen, kräftig schneuzen, etwas trinken und Hirn wieder einschalten. Dann verhörte ich mich sozusagen selbst, ganz nüchtern und sachlich. Schließlich kam ich im Selbstgespräch an diese Stelle, die ich Ihnen nicht vorenthalten möchte:

„Bist du dir sicher, dass du diese Tasche beim Sport dabei hattest?“ – „Ja, ganz sicher.“ – „Und wieso gerade die?“ – „Weil die innen ein „Geheimfach“ hat, wo man Wertsachen verstauen kann, ohne dass es gesehen wird, selbst wenn die Tasche offen ist.“ – „Hast du die Geldbörse in dieses Geheimfach?“ – „Ja, natürlich. Dafür ist es doch da.“ Peng!

Sie ahnen es schon: Die Geldbörse war Gottseidank genau in dem Fach. Es ist so geheim, dass selbst ich es nicht mehr gesehen habe, zumindest nicht in meiner emotionalen Schieflage. Sie können sich sicher vorstellen, wie erleichtert meine Lieben und ich waren. In diesem Fall also wirklich Ende gut – alles gut.

Vielleicht ist die Methode des „Selbstverhörs“ oder Selbstgespräches mit dem Blick und entsprechenden Fragen „von außen“ auch etwas für Sie, wenn die Gefühle verrückt spielen. Probieren Sie es doch einfach aus und berichten Sie mir, wenn Sie mögen.

So wünsche ich Ihnen eine gefühlsmäßig ausgeglichene und stabile Woche, bis zum nächsten Coaching – Tipp am Donnerstag.

P.S.: Ob ich noch wählen gegangen bin? Natürlich, jetzt, wo der Ausweis wieder da war :-).

Über C. K.

Diplom-Sozialpädagogin (FH), Coach, Dozentin, Trainerin, Bloggerin, Ehefrau, Mutter von fünf Kindern, und seit 52 Jahren Aprilscherz ... Und Grübel - Karussell war gestern.
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