Augen-Blicke oder: Mein Star und ich (2)

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Vor etwa zwei Jahren bemerkte ich eine deutliche Verschlechterung meiner Sehleistung durch den „grauen Star“. Das Fahrradfahren hatte ich der Sicherheit zuliebe schon länger aufgegeben, Personen, die mir entgegenkamen, erkannte ich erst sehr spät (und eher an der Stimme), Treppenstufen und Bordsteinkanten verunsicherten mich zusehends. Die Blendempfindlichkeit war inzwischen so hoch, dass ich am Abend oder nachts kaum noch unterwegs sein konnte. Lesen oder Arbeiten am Computer war sehr anstrengend. Doch so, wie Sie vielleicht den Zahnarztbesuch vor sich herschieben, wagte ich mich erst nach längerer Zeit zu meiner Augenärztin, und schließlich Anfang Juli zur Voruntersuchung in die Uniklinik nach Erlangen.

Augen zu und durch

Überraschend schnell bekam ich schon vier Wochen später, am 5. August, einen Termin zur Operation des rechten Auges. Am Tag zuvor wurden zahlreiche Untersuchungen durchgeführt und wiederholt. Für kurze Zeit schien es, als könnte die OP („eine ganz komplizierte Geschichte“) nicht durchgeführt werden.

Meine traurigen Überlegungen, wie ich ohne OP eine „dunkle“ Zukunft gestalten könnte, beendete der operierende Professor mit einem entschlossenen „Frau Kiunke, wir machen das!“ und er ergänzte: „Wir arbeiten immer sehr sorgfältig, doch bei Ihnen ganz besonders. Es geht schließlich um alles oder nichts.“ Auf meine Frage, ob Jemand die OP an meinem „komplizierten Fall“ üben dürfe, antwortete er überzeugend und mit einer gewissen Vorfreude: „Nein, das mache ich schon selbst.“  Dementsprechend verlief der Eingriff, den ich in Vollnarkose verschlief, absolut reibungslos.

„Ich sehe Licht!“

Vorsichtig und auf alles gefasst blinzelte ich im Aufwachraum durch die Plastikhalbschale, die als Schutz auf mein Auge geklebt war. Tatsächlich, ich sah Licht, verschiedene Umrisse und sogar ein Gesicht. Die Krankenschwester, die mich zurück auf die Station brachte, teilte meine Freude und die riesengroße Erleichterung.

Ich erholte mich schnell und durfte schon am nächsten Tag wieder nach Hause. Zu kämpfen hatte ich mit den hochsommerlichen Temperaturen und dem grellen Sonnenlicht. So lag ich die erste Woche am liebsten im dunklen Schlafzimmer und ruhte mich aus. Zudem musste ich das Sehen quasi neu lernen. Mein Gehirn war von den vielen, klaren, deutlichen Details („da oben sitzt eine Mücke“), die es zu verarbeiten hatte, eine Zeit lang richtig gefordert und angestrengt.

Ausblick

Inzwischen sind die Schnittwunden sehr gut verheilt und ich brauche die antibiotischen Augentropfen nicht mehr. Die Sehkraft ist jetzt bei etwa sechzig bis siebzig Prozent. In die Ferne sehe ich so gut wie noch nie, in der Nähe werde ich eine leichte Lesebrille brauchen. Meine bisherige Brille werde ich wie bisher als Schutz tragen. Wenn in vier bis fünf Monaten die Linse richtig eingewachsen ist, wird der Nachstar laserbehandelt, was die Sehleistung noch einmal verbessern wird (durch den Nystagmus komme ich nicht auf hundert Prozent). Für die Lichtempfindlichkeit habe ich mir zwei chice Sonnenbrillen mit 85 bzw. 55 Prozent Tönung zugelegt.

DANKE!

Ich bin unendlich froh und glücklich, dass Alles so gut verlaufen ist und bedanke mich an dieser Stelle sehr herzlich bei denen, die mit Ihrem fachlichen und persönlichen Können maßgeblich dazu beigetragen haben. Danke auch an meine Familie für das Mittragen und Umsorgen. Und ja, ich bleibe bei euch, obwohl – oder gerade weil – ich jetzt ganz genau sehe, wie ihr ausseht 😉 .

Augen-Blicke oder: Mein Star und ich (1)

P.S.: Hier lesen Sie interessante Informationen der Uniklinik Erlangen zur Katarakt-OP

P.P.S.: Falls Sie mich suchen, ich bin in der Garage und mache mein Fahrrad wieder startklar.

Bild von Fotolia: #59860331 | Urheber: reznik_val | Auge bunt

Über C. K.

Diplom-Sozialpädagogin (FH), Coach, Dozentin, Trainerin, Bloggerin, Ehefrau, Mutter von fünf Kindern, und seit 52 Jahren Aprilscherz ... Und Grübel - Karussell war gestern.
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